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(Kapitel 9 - Seite 2 / 10)
Spearman's Rho
Nicht zuletzt wegen der Grobheit von TAU hat sich im deutsprachigen
Raum ein anderer Koeffizient für Rangkorrelationen, nämlich SPEARMAN´s
RHO, durchgesetzt.
Die Anwendung dieses Koeffizienten geschieht unseres Erachtens
zu unkritisch. Wir wollen unsere Kritik verdeutlichen, nachdem
wir uns mit der Formel und ihrer Anwendung vertraut gemacht haben.
Gegeben seien 6 Studenten a bis f mit den folgenden Mathematik-Zensuren:
Weiterhin sind die 6 Studenten vom Dozenten ihres Statistik-Kurses
hinsichtlich ihrer Kenntnisse in Statistik in eine Rangfolge gebracht
worden: b erhielt den besten Rangplatz (= beste Statistik-Kenntnisse);
es folgen e, c, a, d; Student f´s Kenntnisse wurden am geringsten
eingestuft. Wir sprechen den Zensuren Intervallskalenqualität
ab und betrachten statt der Zensuren lieber die Rangplätze der
Schüler bezüglich ihrer Noten.
In Tabellenform sieht das dann so aus:
| Schüler |
a |
b |
c |
d |
e |
f |
| Rang Schulnote |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
| Rang Doz.Ein-schätzung |
4 |
1 |
3 |
5 |
2 |
6 |
| D = Differenz zw. Rängen |
3 |
1 |
0 |
1 |
3 |
0 |
| D2 |
9 |
1 |
0 |
1 |
9 |
0 |
Ausgangsmaterial sind also zwei Rangreihen; wir suchen ein Maß,
das uns etwas über die Ähnlichkeiten der beiden Rangreihen aussagt.
Die Formel zur Berechnung von RHO finden Sie hier wiedergegeben.
Wir setzen ein und erhalten:
Der kritische Punkt hierbei ist, daß mit Ordinaldaten arithmetische
Operationen durchgeführt werden, die jedoch nur bei Daten mit
Intervallskalenqualität Sinn ergeben.
Im Prinzip läßt sich RHO auf einen Produkt-Moment-Korrelationskoeffizienten
zurückführen; er ist nämlich nichts anderes als die Produkt-Moment-Korrelation
zwischen den ersten N natürlichen Zahlen (zur Herleitung s. SIEGEL,
1956, S. 203).
Aufgrund der angeführten Kritik sollte eigentlich KENDALL´s TAU
der Vorzug gegeben werden. Die Interpretation eines TAU-Wertes
macht jedoch Schwierigkeiten, weil er mit anderen Korrelationskoeffizienten
nicht ohne weiteres vergleichbar ist.
Berechnen wir für das obige Beispiel KENDALL´s TAU, so ergibt
sich ein TAU von .20, immerhin eine Differenz von .23. Bei größeren
Stichproben (etwa bei N = 100) gleichen sich TAU und RHO fast
vollständig an, die Berechnung von TAU per Hand erfordert allerdings
bei so großen Stichproben Zeit und Muße {immerhin reichen die
Rangreihen bei einer Hunderter-Stichprobe von 1 bis 100!)
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